1989: OSF/Motif 1.0


Den meisten Leuten dürfte OSF/Motif nichts sagen. Dieses GUI war für einige Jahre der Standard für GUIs auf UNIX Rechnern von Firmen wie DEC, IBM, HP, SGI, Sun, usw., die hauptsächlich in der Industrie und in der Forschung zum Einsatz kamen.

Die GUI Library OSF/Motif erschien 1989 und baute auf dem seit 1986 kommerziell vertriebenen X11 Window System auf. X11 hat OSF/Motif überlebt und ist heute die Grundlage für die graphischen Oberfläche von Linux basierten Betriebssystemen.

OSF/Motif nun wurde von einem Komitee entworfen. Das sagt eigentlich schon alles.

Während der Entwicklung war es wichtiger überhaupt etwas zu haben, als sich um ein gutes API Gedanken zu machen. Und so entschloß man sich auf die schon bei X11 vorhandene X Intrinsics Bibliothek aufzubauen, eine C Bibliothek mit objektorientierten Ansätzen. Heute greift man für so etwas zu C++, aber C++ war damals leider noch nicht so weit und die Programmiersprache C erweitern wollte man auch nicht.

Wer mit OSF/Motif arbeiten wollte, mußte nicht nur OSF/Motif beherrschen, sondern auch die X Intrinsics und wenn es an Dinge wie Farben ging, auch noch gleich X11. Das sind bei mir im Regal 18cm Dokumentation zu ca. 160 Euro.

Viele mit OSF/Motif geschriebene Programme sehen ausgesprochen häßlich aus und sie verdanken es der Tatsache, daß man froh sein konnte, wenn man überhaupt irgendetwas irgendwie auf die Beine stellen konnte.

Das mit Windows 2.03 verwandte Erscheinungsbild von Motif rührt übrigens daher, daß Microsoft mit in diesem Komitee war, die bis 1987 selber ein UNIX names Xenix verkauft haben und dieses dann an SCO verkauften.

Die Entstehung von X11:

  • Im Rahmen des V Projekt in Stanford schreiben Paul Asente und Brian Reid 'W'.
  • Das Laboratory for Computer Science (LCS) am MIT kauft einige DEC VS100 Terminals: Bitmap Display, Motorola 68000 als graphischer Co-Prozessor und Anschluß über Glasfaser an VAX.
  • Mai 1984: Stabile Firmware für die DEC VS100 Terminals ist verfügbar, Robert W. (Bob) Scheifler am MIT beginnt 'W' umzuschreiben und nennt das Ergebnis 'X'.
  • Juni 1984: Bob Scheifler gibt 'X' dem Projekt Athena bekannt:
    • Im Gegensatz zu 'W' mit asynchronem Interface und etwa doppelter Performance.
    • Einfarbig
    • CLU API (Lisp)
    • C API ist noch in Arbeit
    • 3 verfügbare Anwendungen: TED (Text Editor), Argus I/O Interface, Window Manager (in CLU geschrieben)
    • Wer den Code will, soll ein Tape vorbeibringen.

  • 1986: X10R4 (erster kommerzieller Release)
  • 1987: X11R1 Redesign für mehr Performance, etc.. Das 'MIT X Consortium' wird gegründet
  • 1989: X11R3 (OSF/Motif kommt)
  • 1991: X11R5
  • 1993: 'X Consortium, Inc.' übernimmt die Nachfolge des 'MIT X Consortium'
  • 1995: X11R6
  • 1997: 'X Consortium, Inc.' übergibt der Verantwortung für X der 'OpenGroup'.
  • 2004: Die 'Opengroup' übergibt die Verantwortung an die neu gegründete 'X.Org Foundation' und die Weiterentwicklung erfolgt nun offener und schneller als bisher. Dabei sind auch Entwickler aus der Zeit des 'MIT X Consortium's.
  • 2004: X11R6.7 und X11R6.8
  • 2005: X11R6.9 und X11R7.0
  • 2006: X11R7.1

Im Gegensatz dazu ist die Lebensdauer von OSF/Motif recht bescheiden:

  • 1989 Motif 1.0
  • 1991 Motif 1.1: "gadgets, virtual key bindings, keyboard traversal"
  • 1992 Motif 1.2: "drag and drop, tear-off menus, better i18n"
  • 1994 Motif 2.0: "Xme routines for widget writing, the traits concept, more PC style widgets"
  • 1995 Der erste freie Motif Clone, LessTif, beginnt zu entstehen. Noch sind viele Programme mit Motif geschrieben aber Alternativen wie Qt und Gtk bahnen sich an.
  • 1996: Die OSF und X/Open Company Ltd. vereinen sich zur OpenGroup
  • 1997 Motif 2.1
  • 2000 Keiner will mehr Motif weil es mit Qt und Gtk populäre Alternativen gibt. Der Versuch Motif umsonst als OpenMotif unter die Leute zu bringen scheitert.